1.2 Qualitative Ansätze

Im Gegensatz zur quantitativen, an Zahlen orientierten Forschungsweise versuchst du bei der qualitativen Forschung durch eine Verbalisierung der Erfahrungen detaillierte, subjektive und individuelle Erkenntnisse über Einstellungen und Handlungen zu erlangen. Hierfür untersuchst du Einzelfälle auf ihre Besonderheiten hin und schließt anhand der Ergebnisse auf allgemeingültige Aussagen, was als induktives Vorgehen bezeichnet wird.

Beispiel:

Forscher befragen eine einzelne Journalistin in einer Tageszeitungsredaktion, wie sie gegenüber bestimmten Politikern eingestellt sind, wie ihre Kollegen ihrem Glauben nach eingestellt sind und ob sie von diesen eigenen und angenommenen Einstellungen ihre Berichterstattung über Politiker beeinflussen lassen.


Subjektivität

In der qualitativen Forschung steht das Subjekt, also der Mensch, an zentraler Stelle. Die Wirklichkeit wird nicht auf Zahlen reduziert, sondern in ihrer Ganzheit erhoben. Die Untersuchung erfolgt im natürlichen Umfeld, um so nah wie möglich an die individuellen Lebenssituationen anzuknüpfen. Ebenso stehen die Kommunikation und Interaktion zwischen dem Forscher und den Untersuchten im Mittelpunkt. Der Forscher, seine Reflexionen und die Subjektivität der Beteiligten besitzen in qualitativen Untersuchungen große Bedeutung und fließen in die Interpretation ein.

Prinzip der Offenheit

Qualitative Methoden folgen dem Prinzip der Offenheit, d.h. der Untersuchungsgegenstand wird kaum vorstrukturiert und die Methoden sollen so offen gestaltet werden, dass sie auch komplexe Gegenstände in ihrer Ganzheit sowie in ihrem natürlichen Kontext erfassen. Durch diese Offenheit kannst du im Verlauf der Forschung notwendige Ergänzungen oder Veränderungen vornehmen und auch neue, bedeutend erscheinende Fälle hinzuziehen, um deine Theorie zu kontrollieren oder zu revidieren. Generell wählst du die untersuchten Fälle im Gegensatz zu den Stichproben quantitativer Verfahren bewusst aus, was als Theoretisches Sampling bezeichnet wird. Durch diese Flexibilität und Offenheit des Vorgehens ergibt sich der Explorationscharakter qualitativer Forschung. Das bedeutet, dass besonders neue Aspekte erforscht werden.

Deshalb werden qualitative Methoden im Gegensatz zu den starren, harten quantitativen Methoden auch als weich bezeichnet.

Zirkulärer Ablauf

Das qualitative Vorgehen zeichnet sich durch seinen zirkulären Ablauf aus. Die Erhebung der Daten und ihre Auswertung ist nicht strikt voneinander getrennt, bestimmte Schritte werden mehrmals durchlaufen und auch verändert, worin sich die hohe/höhere Flexibilität begründet.

grafik

Alle genannten Aspekte (zirkulärer Ablauf, geringe Standardisierung, Bedeutung der Subjektivität und Interaktion) unterstützen dabei das Ziel, den Untersuchungsgestand tief und detailliert zu erfassen.

Jede der beiden Forschungstraditionen hat aufgrund ihrer Besonderheiten und ihres Vorgehens individuelle Anwendungsbereiche sowie Vor- und Nachteile. Das bedeutet, dass es kein besseres oder schlechteres Vorgehen gibt – du musst je nach deinem Forschungsgegenstand und deiner Forschungsfrage abwägen, welche Methode besser für die Bearbeitung deiner Fragestellung geeignet ist.

Für einen guten Überblick über qualitative Verfahren kannst du den Lehrtext zur Veranstaltung "Qualitative Sozialforschung" heranziehen.