5.3 Typen von Experimenten

Die wissenschaftlichen Experimente lassen sich in unterschiedliche Typen einteilen. Hier wird zwischen Labor- und Feldexperiment sowie Quasi- Experiment und Ex-post-facto-Anordnung unterschieden.

Laborexperiment

Beim Laborexperiment werden die Versuchspersonen in eine neue, künstlich geschaffene soziale Situation (das Labor) gebracht. Das bedeutet nicht, dass dein Experiment in einem Labor stattfinden muss. Es handelt sich lediglich um einen Raum, in dem alle Einflussfaktoren konstant gehalten werden können. Dadurch ist eine beliebige Wiederholung der Untersuchung möglich. Eine Manipulation des Stimulus ist bei dieser Methode einfacher als bei anderen Experimenten. Durch die Kontrolle der Laborsituation kannst du sicherstellen, dass die Wirkung nur auf den Stimulus (und keine anderen Störfaktoren) zurückzuführen ist. Dadurch erreichst du eine sehr hohe interne Validität. Allerdings ist mit Laborexperimenten der Nachteil verbunden, dass die Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf die Realität eingeschränkt ist. Da die Situation stark kontrolliert und künstlich ist, lassen sich die Erkenntnisse schlecht auf die Alltagssituation übertragen. Die externe Validität ist also eher niedrig zu bewerten. Auch ist es in Laborexperimenten schwierig, komplexe soziale Situationen zu erzeugen, die unter realistischen Umständen ebenfalls zu finden sind, da alle wirkenden Faktoren bis auf den Stimulus ausgeschaltet werden und dies widerspricht fast allen realen sozialen Situationen. Für diese Art von Untersuchungen kommen also eher nur Individuen oder kleine Gruppen sowie eine begrenzte, überschaubare Anzahl von unabhängigen Variablen in Frage.

Feldexperiment

Bei Feldexperimenten hingegen verbleiben die Versuchspersonen in ihrer gewohnten Umgebung. Das bedeutet, dass die beiden Parallelgruppen in diese reale Umwelt integriert sein müssen, wobei eine der Gruppen einem Stimulus ausgesetzt ist/wird. Daher weisen Feldexperimente eine sehr hohe externe Validität auf, d.h. mit ihnen können praxisrelevante Resultate gewonnen werden. Allerdings ist es oft schwierig, geeignete natürliche Situationen für die Untersuchungen zu finden. Teilweise kann dann auch keine Kontrollgruppe konstruiert werden, wodurch eine Schlussfolgerung hinsichtlich des Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs erheblich erschwert wird. Auch der Forscher kann den Stimulus nicht selbst variieren und die experimentelle Situation weder kontrollieren noch ihren Ablauf gezielt steuern. Eine Vorher- Nachher-Messung ist ebenfalls oft nicht möglich und es liegen zusätzlich unbekannte Störfaktoren vor. Dies spricht für eine eher niedrige interne Validität.

Quasi-experimentelles Design

Quasi-experimentelle Designs orientieren sich zwar an den Laborexperimenten, erfüllen jedoch nicht alle strengen Anforderungen. Bei dieser Methode werden die Parallelgruppen zwar bewusst festgelegt und dies geschieht in der Regel vor der Durchführung, jedoch können die Personen nicht zufällig auf die Gruppen verteilt werden. Es erfolgt also keine Randomisierung. Ohne Randomisierung fehlt dem Experimentator allerdings die gängige Möglichkeit, die Störvariablen der Versuchspersonen auszuschalten. Auf diese Weise ist es nicht sicher, ob in jeder Gruppe wirklich die gleichen Bedingungen herrschen. Quasi-experimentelle Untersuchungen werden vor allem dann durchgeführt, wenn festgestellt werden soll, welche Wirkung eine rechtliche, wirtschaftliche oder soziale Maßnahme hatte. In ihrem Fall ist größtenteils keine Zufallsaufteilung der Versuchspersonen möglich.

Ex-post-facto-Design

Mit einem Experiment im Ex-post-facto-Design untersuchst du nachträglich bereits abgeschlossene, natürliche soziale Prozesse, in denen ein Stimulus bereits gewirkt hat. Die Entwicklung dieser Prozesse verfolgst du bis an den Punkt zurück, an dem der Stimulus einsetzte. Du ziehst also eine aktuelle Situation heran und versuchst, die Ursachen des Sachverhalts im Nachhinein herauszufinden. Damit du eine angemessene Untersuchung dieser Art durchgeführt werden kannst, muss du genau wissen, wie die unabhängigen Variablen in den Gruppen verteilt sind. Diese müssen gleichmäßig auftreten, damit ein Vergleich möglich ist, d.h nachträglich musst du auch alle relevanten Variablen der Versuchspersonen bestimmen. Ein weiteres Problem ist, dass du durch die einmalige nachträgliche Messung nicht genau feststellen kannst, ob eine Zeitdifferenz von Ursache und Wirkung vorliegt. Dieses Problem kannst du allerdings durch einen nachträglichen Vortest lösen. Dazu stellst du den Versuchspersonen Fragen zu früheren Zeitpunkten, zu denen eine Wirkung des Stimulus als unwahrscheinlich anzunehmen ist. Doch solche Fragestellungen sind auf Grund von Erinnerungstrübungen und der Tendenz, Entscheidungen rationaler zu betrachten, als sie waren, problematisch.

Diese verschiedenen experimentellen Designs können natürlich kombiniert werden, um die jeweiligen Vorteile der Methoden auszunutzen.