2.2 Einflussfaktoren auf Beobachtungen

Wenn du eine Beobachtung durchführst, muss dir klar sein, dass du das Geschehene auf keinen Fall ganz erfassen kannst. Beispielsweise kannst du durch eine Beobachtung nichts über die Vorgeschichte der Beobachtungssituation und über die Motive der Handelnden erfahren. Außerdem ist es nicht möglich, dass du etwas über die längerfristigen Folgen der beobachteten Handlungen aussagen kannst.

Vor allem Laborbeobachtungen und teilnehmende Beobachtungen bringen Nachteile mit sich. In einer Laborbeobachtung sind das Umfeld und die Situation der Beobachteten so künstlich, dass damit gerechnet werden kann, dass sie dadurch beeinflusst werden. Bei einer teilnehmenden Beobachtung wird der Forscher zwar Teil der Beobachtungssituation, doch bleibt er für die Beobachteten doch meist ein Fremder, der sich Notizen macht. Dadurch können die Beobachteten ebenfalls beeinflusst werden.

Auch durch dich als Beobachter können Probleme entstehen. Beispielsweise neigen Beobachter dazu zu großzügig zu urteilen und entwickeln oft ungewollt sofort eine Sympathie oder Antipathie den Beobachteten gegenüber. Dadurch können die eignen Urteile verzerrt werden. Auch kann es sein, dass du bei einer Beobachtung in deinem eigenen Kulturkreis auf Dinge, die du gewohnt bist und die du für ganz normal hältst, nicht mehr achtest. Des Weiteren besteht das Problem, dass extreme Ereignisse oft verschoben wahrgenommen werden und im Protokollbogen als Mittelkategorie kodiert werden, da ein allgemeiner Hang zur Mitte besteht.