Themenfindung

Ausgangspunkt jeder wissenschaftlichen Arbeit ist die Wahl eines geeigneten Themas. Diese Themenwahl ist von entscheidender Bedeutung, weil sie später nicht oder nur schwer korrigiert werden kann. In diesem Kapitel bekommst du deshalb einige Hinweise, die dir helfen sollen, ein geeignetes Thema auszuwählen und einzugrenzen.

Dauer des ganzen Moduls: ca. 20-25 Minuten (mit allen Videos)


Dieses Video motiviert dich, Eingebungen aus dem Alltag zu folgen und so vielleicht eine erste Idee für deine Arbeit zu finden (Dauer: 3:36 min.).

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"Idee und Umsetzung" produziert von Martina Biendl und Fabian Brumann

Creative Commons License
Der Text und die für diesen Beitrag auf "i-literacy.de - Themenfindung" erstellten Infografiken von Breit, Katharina; Koch, Kati stehen unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Ideenfindung

  
Der erste Schritt beim Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit ist die Wahl eines geeigneten Themas. In vielen Fällen, z.B. bei Seminar- oder Hausarbeiten, wirst du dein Thema schon haben. Es wird vom Dozenten vorgegeben und du kannst bestenfalls kleine individuelle Schwerpunkte in der Arbeit setzen. Spätestens bei der Bachelorarbeit musst du jedoch dein eigenes Thema wählen.Studenten im Gespräch

Hier findest du Ideen für die wissenschaftliche Arbeit: 

Lehrveranstaltungen

Der Stoff in deinen Lehrveranstaltungen bietet dir bestimmt viele Anregungen für eigene Themen. Welches Seminar hat dich besonders interessiert? Gibt es vielleicht einen Bereich, den der Dozent nur am Rande erwähnt hat, über den du aber gern mehr wissen möchtest? Gibt es ein Thema der Vorlesung, das dich neugierig gemacht hat? Aus solchen Teilbereichen kann sich ein Thema für dich entwickeln. Du musst nur aufpassen, dass dein Thema nicht eine Wiederholung dessen ist, was in der Vorlesung durchgenommen wurde.

Aktuelle Fachliteratur

Aktuelle Aufsätze und die Leselisten deiner Dozenten bieten dir Hinweise, welche Themen in der Fachwelt gerade diskutiert werden. Hier findest du sicher auch viele Anregungen und Impulse.

Besuch öffentlicher Veranstaltungen

In diesen findest du Anregungen zu aktuellen Themen. Übrigens: die Veranstaltung muss nicht wissenschaftlich sein. Auch in einer Lesung oder einem Kinobesuch können sich gute Themen verstecken. Wichtig ist nur, dass du für alles offen bist.

Gespräche

Unterhalte dich mit deinen Dozenten oder Kommilitonen über Ideen, die du vielleicht hast. Sie können dir ein Feedback geben, welche Themen interessant klingen und aus welchen sich eine wissenschaftliche Fragestellung ergeben kann. Der Austausch mit Anderen hilft dir auch, das Thema weiterzuentwickeln, es fördert die Kreativität und bietet neue Ideen und Impulse.

Merkheft

Schreib einfach alles was dich interessiert auf einen Zettel oder in ein Merkheft. Nimm diesen Zettel am Besten auch ein paar Tage lang immer mit, damit du dir neue Ideen gleich notieren kannst. Nach einer Weile kannst du dann die ganzen Stichworte überprüfen. Welches Stichwort hat einen Bezug zu deinem Fach? Aus welchem Stichwort kann sich ein komplexeres Thema entwickeln? Interessiert dich das Thema überhaupt noch?


Es wird dir sicher nicht passieren, dass dir DAS THEMA gleich ins Auge springt. Nimm dir Zeit, all deine Ideen aufzuschreiben, diskutiere sie mit Freunden oder Dozenten. Auch die Wahl des richtigen Themas gehört zum kreativen Prozess des wissenschaftlichen Schreibens.

Dieser Film beinhaltet Interviews mit Absolventen des Studiengangs Medien und Kommunikation. Sie sprechen darüber, wie sie ein Thema für ihre Abschlussarbeit gefunden haben, warum sie dieses Thema ausgewählt haben, wie sie das Thema umgesetzt und welche Schwierigkeiten sie dabei hatten (Dauer: ca. 7 min).

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"Idee und Umsetzung II" produziert von Martina Biendl und Fabian Brumann

2. Richtlinien zur Wahl des Themas

 

Das Thema sollte nicht völlig unbekannt sein
  • Erfordert zu lange Einarbeitungszeit
  • Fokussieren auf einen Teilbereich fällt schwer
  • Erweist sich eventuell als "Fass ohne Boden"
Das Thema sollte nicht zu groß sein
  • Keine klare, deutliche Auseinandersetzung möglich
  • Gefahr, dass man nicht alles unter einen Hut bringen kann
Das Thema sollte zugänglich sein
  • Literatur sollte vorhanden und verständlich sein
  • Arbeitstechniken sollten bekannt sein
Das Thema sollte interessant sein
  • Abneigung gegen das Thema -> Finger weg
  • Interesse entsteht jedoch oft auch durch Beschäftigung mit einem Thema
Das Thema sollte nicht zu persönlich sein
  • Zu großes Interesse erschwert den Arbeitsprozess, Sachverhalte müssen nüchtern und unparteiisch dargestellt werden können
  • Negativbeispiel: Arbeit über interessante Aspekte innerhalb eines Praktikums
Das Thema sollte nicht zu ehrgeizig gewählt sein
  • Realistische Einschätzung der erreichbaren Ziele erforderlich
  • Negativbeispiel: Theoretische Themen (sehr anspruchsvoll und abstrakt, Gefahr, dass Theorien bloß reproduziert werden)
  • Mittelweg finden zwischen dem Übernehmen bereits vorhandener Ideen und dem Anspruch, etwas Geniales zu vollbringen
  • Originalität kann auch schaden, wenn sich das Thema z.B. nicht mehr in Forschungstradition einordnen lässt
Das Thema sollte den wissenschaftlichen Richtlinien entsprechen
  • Das Thema muss für dein Fach relevant sein
  • Du kannst z.B. zentrale Probleme deines Faches aufgreifen, eventuell Lösungen entwickeln oder bekannte Forschungsfragen mit neuen Methoden oder neuen Daten untersuchen

3. Thema konkretisieren

Ausgehend von einer Grundidee musst du dein Thema jetzt konkretisieren. Vielleicht hast du auch mehrere Ideen, die du auf ihre Tauglichkeit überprüfen willst. Es gibt verschiedene kreative Methoden, deine Grundidee weiter auszubauen um daraus eine wissenschaftliche Fragestellung zu entwickeln. Wichtig dabei ist, dass du zunächst sehr frei und unvoreingenommen an die Sache herangehst.

3.1 Clustering

Beim Clustering werden Einfälle zu einem bestimmten Thema stichwortartig gesammelt.

Durchführung

In die Mitte eines Blattes wird das Thema geschrieben und umkreist. Danach werden alle Assoziationen zu diesem Thema ebenfalls auf dem Blatt notiert, assoziative Verbindungen werden mit Strichen gekennzeichnet. Das Clustering dient der Ideenfindung, es ist eine Art bildhaftes Brainstorming. Ziel dieser Methode ist es nicht, möglichst viele brauchbare Ideen zu gewinnen, sondern nur, Ideen zu haben, Assoziationen zu wecken und auch vermeintlich abwegige Gedankengänge nachzuverfolgen.Die Anordnung der Begriffe erfolgt intuitiv und wird auch später nicht in eine Struktur gebracht.

weiter zu Digitales Clustering

 

Cluster

Beispiel Cluster zum Thema „Werbung“  


Digitale Cluster/ Concept Maps

Cluster kannst du nicht nur mit Papier und Bleistift erstellen, sondern es gibt auch diverse kostenfreie Programme, die du downloaden und installieren kannst. Digitale Cluster, sogenannte Concept Maps, dienen dazu, deine ersten Einfälle weiter zu strukturieren und in Beziehungen zu setzen, die dir helfen können, deine Arbeit und deine Argumentationslinie besser zu verstehen.Ein Programm, das häufig im Studiengang Medien und Kommunikation eingesetzt wird, ist "CMaps", das du unter http://cmap.ihmc.us/ downloaden kannst. Dort wird dir auch genau erklärt, wie du das Programm installierst. Weitere freie Programme, die du für ein Cluster bzw. eine Concept Map nutzen kannst, sind FreeMind oder Wisemapping.

In diesem kurzen Film wird dir gezeigt, wie du das kostenfreie Tool „CMaps“ verwenden kannst um ein Cluster zu erstellen und später auch mehr Struktur in dein Cluster zu bringen (Dauer: 2:50 min.):

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"Einführung in CMaps" produziert von Tobias Jenert, Alexander Florian und Hannah Dürnberger

3.2 Strukturbaum

Der Strukturbaum funktioniert ähnlich wie das Clustering, nur werden hier die Ideen nicht „chaotisch“ kreisförmig angeordnet, sondern gleich in eine gewisse Struktur gebracht.

Durchführung

Ausgehend von einer Grundidee werden Kategorien und Unterkategorien gebildet und in eine Baumstruktur gebracht. Diese Methode der Ideenfindung kann im Vergleich zum Clustering einengender sein, da sich die Gedanken meist sehr schnell in nur eine Richtung bewegen. Sie ist deshalb eher in einer fortgeschritteneren Phase der Ideenfindung sinnvoll.

Beispiel Strukturbaum

Strukturbaum

3.3 Fragen

Eine ganz andere Möglichkeit, deine Ideen weiterzuentwickeln, ist es Fragen an das Thema zu stellen. Ausgehend von einem vorläufigen Thema oder einer Fragestellung helfen dir diese Methoden, deine Gedanken zu einem Thema weiterzuentwickeln und auch dein persönliches Interesse an dem Thema zu erkunden. Du musst diese Methoden nicht alle durchspielen. Wir bieten dir hier nur Anregungen, wie du dein Thema ausloten und konkretisieren kannst.

Pro und Kontra

Du bildest eine Tabelle mit zwei Spalten, in denen du auflistest, was für und was gegen deine vorläufige Fragestellung oder Hypothese spricht. Auf diese Weise soll ergründet werden, wo evtl. Schwachstellen im eigenen Gedankengang sind oder wie mögliche Ergebnisse aussehen könnten. Diese Methode hilft dir auch, deine Ideen zu vertiefen und neue Argumente und Richtungen zu entdecken. Nachteil dieser Methode ist, dass du schon eine etwas konkretere Vorstellung von deinem Thema und der Fragestellung haben solltest. Dann allerdings ist sie gut geeignet, das Thema auf seine Brauchbarkeit zu überprüfen.

Faszination und Irritation

Auch bei dieser Methode werden in zwei Spalten Argumente und Ideen gesammelt. Diesmal geht es jedoch um deine persönliche Motivation. Die eine Spalte ist überschrieben „Was mich an diesem Thema fasziniert“, die andere „Was mich an diesem Thema irritiert“. Dadurch kannst du herausfinden, welche Aspekte des Themas dich interessieren oder welche Schwerpunkte für dich denkbar sind. Außerdem kannst du so auch neue Ideen zum Thema finden und Schwierigkeiten und Probleme aufdecken. Falls die Spalte „Irritation“ deutlich länger ist als die Spalte „Faszination“, solltest du dich aber vielleicht nach einem anderen Thema umsehen.

Fragenkatalog

Stelle dir selbst Fragen zu deinem Thema, um es auszuloten und genauer zu definieren. Dein Fragenkatalog sollte verschiedene Aspekte aufgreifen, z.B.:

die Thematik
  • Wie lautet das (vorläufige) Thema?
  • Was will ich über das Thema wissen?
  • Was finde ich an diesem Thema besonders interessant?
  • ...
die Problematik
  • Welche Fragen/Probleme möchte ich beantworten?
  • Was möchte ich herausfinden?
  • ...
den Forschungsstand
  • Was weiß ich bis jetzt zum Thema?
  • Was weiß ich noch nicht?
  • Wie wird der Arbeitsaufwand voraussichtlich aussehen?
  • ...

4. Thema eingrenzen

Entstehung einer Fragestellung

Nachdem du dich für ein Thema entschieden hast, das du bearbeiten möchtest, musst du es eingrenzen und präzisieren. Anfangs ist das Thema wahrscheinlich noch sehr vage. Du stehst jetzt vor der Aufgabe, es so zu formulieren, dass eine Fragestellung entsteht, die du im Rahmen deiner Arbeit bearbeiten kannst. Je genauer die Fragestellung herauskristiallisiert wird, desto einfacher und überschaubarer wird das Thema.

Vorwissen

Die Fragestellung kann erst richtig formuliert werden, wenn du schon einiges Vorwissen dazu besitzt. Du solltest dich also schon in das Thema eingelesen haben, bevor du eine präzise Fragestellung erarbeitest. Das Schreiben deiner Arbeit ist kein linearer Prozess, in dem du dein Thema findest und dann schreibst, sondern ein Prozess, in dem sich die Schritte lesen, schreiben, lesen, schreiben immer wiederholen.

Die Fragestellung kann durch verschiedene Möglichkeiten eingegrenzt werden:

  • Was soll herausgearbeitet oder gezeigt werden?
  • Welche Aspekte sind interessant und warum?
  • Wo willst du deinen Schwerpunkt setzen?
  • Zeitliche Beschränkung auf bestimmte Jahre oder Epoche
  • Geographische Beschränkung, z.B. Deutschland, Europa
  • Eingrenzung auf bestimmte Organisationen, Gruppen, etc.
  • Beschränkung auf  bestimmte theoretische Ansätze, z.B. Medientheorie
  • Bezüge / Vergleiche zwischen Personen, Objekten, Theorien etc. herstellen

4.1 Präzisierung des Themas

Fragen zur weiteren Präzisierung

Zur weiteren Präzisierung solltest du Überlegungen zu folgenden Punkten anstellen:

Methode:
  • Wie willst du vorgehen?
  • Werden bestimmte Methoden eines Faches benutzt und warum?
Theorien, Konzepte:
  • Woran kannst du dich orientieren?
  • Welche Begrifflichkeiten kommen in deinem Fach vor, welche werden benutzt?
Material:
  • Was wird untersucht?
  • Welche Texte, Quellen werden ausgewertet?
  • Was wird zur Belegung der eigenen These benutzt?
Arbeitshypothese:
  • Was erwartest du zu finden?
  • Was ist das Ziel deiner Arbeit?

Frühe Absprache mit dem Dozenten

Wenn du Antworten auf diese Fragen gefunden hast, bist du deinem Thema schon ein ganzes Stück näher gekommen. Du solltest Thema und Fragestellungen rechtzeitig mit deinem Dozenten abstimmen und deine Ideen gemeinsam diskutieren. Oft entstehen im Dialog neue Perspektiven für deine Fragestellung. Dein Dozent kann dich auch rechtzeitig vor Sackgassen und Irrwegen warnen.

4.2 Themenfächer

Eine andere Möglichkeit das Thema zu konkretisieren, kann die Erstellung eines Themenfächers sein. Diese Methode hilft dabei, deine Vorstellungen schrittweise genauer zu definieren und verschiedene Aspekte deiner Fragestellung voneinander abzugrenzen. Der Fächer wird graphisch dargestellt. Die Visualisierung ermöglicht es, Zusammenhänge zu verdeutlichen und Ideen zu sortieren.

Durchführung

Zunächst wird der Bereich, mit dem sich die Arbeit beschäftigen soll, festgelegt. Der Themenfächer wird dann von oben nach unten abgearbeitet.

Auf Ebene 1 werden verschiedene Problemstellungen des Themas gesammelt, anschließend entscheidest du dich für eine Problemstellung und ordnest dieser auf Ebene 2 verschiedene Aspekte zu. Im Unterschied zu den eher allgemeinen Problemstellungen auf Ebene 1 sind diese präziser.

Auf Ebene 2 entscheidet man sich dann für einen Gesichtspunkt, zu diesem werden auf Ebene 3 möglichst viele Fragen gesammelt.
Auf der 4. Ebene sollen dann Antworten auf die Fragen gestellt werden, damit soll geprüft werden ob die Fragestellung für die Bearbeitung geeignet ist.

Am Ende des Themenfächers ist eine konkrete Fragestellung entstanden.

Beispiel für einen Themenfächer zum Thema "Werbung"


Themenfächer

 

Die konkrete Fragestellung: Die Bedeutung der psychischen Wirkungen von Farben in der Werbung.

5. Weiterführende Literatur

Frank, A., Haacke, S. & Lahm (2007). Schlüsselkompetenz: Schreiben in Beruf und Studium.Stuttgart: Metzler.
Signatur in der UB Augsburg: 12/AK 39580 F828, 170/AK 39580 F828

Esselborn-Krumbiegel, H. (2008). Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Schönigh.
Signatur in der UB Augsburg: 170/AK 39580 E78(3)

Dahinden, Urs; Sturzenegger, Sabina; Neuroni, Alessia C. (2006). Wissenschaftliches Arbeiten in der Kommunikationswissenschaft. Bern: Haupt.
Signatur in der UB Augsburg: 12/AK 39540 D129

Metzger, Christoph (2007). Lern- und Arbeitsstrategien. Ein Fachbuch für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen. Oberentfelden: Sauerländer Verlage.